Geschichte & Tradition

Der Mythos lebt: Vom Schmalzlerfranzl zur Legende

Das Schmalzlerfest ist ein traditionelles Volksfest im Markt Perlesreut im Bayerischen Wald, das jährlich am dritten Juli-Wochenende gefeiert wird. Es gehört zu den größten und beliebtesten Festen der Region und zieht Besucher aus ganz Deutschland sowie den Nachbarländern Österreich und Tschechien an.

Die historische Hochburg

Der Name „Schmalzlerfest" leitet sich von der Tradition des Schnupftabaks (umgangssprachlich „Schmalzler") und deren früherer wirtschaftlicher Bedeutung für Perlesreut ab – der Ort gilt als wichtige Hochburg dieser Kultur im Bayerischen Wald.

Perlesreut war über Jahrzehnte das Zentrum der Tabakverarbeitung im Bayerischen Wald. Bereits im späten 19. Jahrhundert (um 1870/1893) florierten hier die Schnupftabak-Reibereien. Besonders die Firma Bogenstätter machte den Ort berühmt. Ihr „Perlesreuter Schmalzler" war weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt.

Anton Bogenstätter stellte den berühmten „Perlesreuter Schmalzler" her, bis die Produktion 1917 eingestellt wurde. Die Tabakfabrik wurde bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs mit einer Dieselmotoranlage betrieben, die gleichzeitig den Ort mit Strom versorgte. Mit der Verknappung von Rohöl während der Kriegsjahre wurde die Anlage nach Grafenau verlegt, um dort die Produktion bis zur Stilllegung 1974 alternativ mit Wasserkraft aufrecht zu erhalten.

Die Schnupftabakfirma Alois Pöschl kaufte die Firma und damit auch die Rezepte auf. Noch heute wird der „Perlesreuter Waldler Fresko" der Firma Bogenstätter von Pöschl mit unveränderter Rezeptur hergestellt und vertrieben. Die Maschinen der Firma Bogenstätter bildeten übrigens die Grundlage für das einzigartige Schnupftabakmuseum der Stadt Grafenau, das 1981 eröffnet wurde.

Festgelände Perlesreut
Georg Prager

Quelle: Fritz Haselbeck, hogn.de

Georg Prager – Legende & Vorbild

Georg Prager, der letzte Schnupftabakreiber des Ortes, war weit mehr als nur ein Wahrzeichen von Perlesreut – er war die Seele unserer Tradition. Am 22.06.2024, knapp einen Monat vor seinem geliebten Schmalzlerfest, verstarb er im Alter von 87 Jahren.

Georg Prager arbeitete im Steinbruch als Steinhauer. Über einen älteren Kollegen kam er mit dem Schnupfen in Berührung. Vor über 35 Jahren entschloss er sich, mit einigen Gleichgesinnten einen Schnupferverein zu gründen und die alte Tradition wieder zu beleben.

Auf einem ehemaligen Schild der Firma Bogenstätter, das heute seine Werkstatt ziert, fand er eine Darstellung des Schnupftabakreibers. Die Kleidung, die er beim Schnupftabakreiben trug, entsprach diesem historischen Vorbild. Er hütete die Rezepturen und das Handwerk bis zuletzt als kostbares Erbe unserer Heimat.

Herstellung des Schnupftabaks

Brasiltabak eignet sich am besten für die Herstellung von Schnupftabak, da er eine der mildesten Sorten ist. Bevor der Tabak in einem „Reiberscherm" (Tongefäß) zerrieben wird, muss er absolut trocken sein. Ist dies der Fall, wird solange gerieben, bis die ganzen Tabakblätter zu einer Art braunem Pulver geworden sind. Anschließend wird das ganze gesiebt.

Dann kommen die Zutaten. Die wichtigste ist das Butterschmalz – daher der Name „Schmalzler". Auch der Kautabak darf nicht fehlen. Dazu kann man noch Blütenhonig und verschiedene Liköre wie selbstgemachten Kirschlikör zur Verfeinerung nehmen. Bevor der Schnupftabak gebrauchsfertig ist, muss er etwa 14 Tage durchziehen.

Wer war der „Schmalzlerfranzl"?

Er ist das Wahrzeichen unserer Region, doch wer steckt dahinter? Sein bürgerlicher Name war Franz Xaver Lipp (1838–1922). Entgegen vieler Mythen war er kein Fabrikant, sondern ein legendärer Handelsreisender für die Firma Bernard.

Mit seinem vollen Bart, dem Trachtenhut und seiner urigen Art reiste er durch die Lande und brachte den „Schmalzler" an den Mann. Er lebte und wirkte in unserer Region und wurde so zur Symbolfigur für den bayerischen Schnupftabak-Genuss.

„Wenn Herz und Mund sich laben, soll die Nase auch was haben!"

— Bayerisches Sprichwort

Noch heute führt eine Figur des Schmalzlerfranzls traditionell den Festzug unseres Schmalzlerfestes an. Übrigens: Der Schnupftabak ist bereits seit 400 Jahren in Europa bekannt. 1677 entstand die erste Schnupftabak-Manufaktur der Welt – die königliche Tabakfabrik im spanischen Sevilla. 1733 wurde die erste Schnupftabakfabrik hierzulande gegründet – in Offenbach am Main, die noch heute existierende Firma Bernard.

Festzelt Atmosphäre

Was ist „Schmalzler" eigentlich?

Schmalzler ist eine bayerische Spezialität des Schnupftabaks (Snuff). Im Gegensatz zum feinen, englischen Menthol-Tabak ist der Schmalzler dunkel, grob gemahlen, feucht und erdig.

Der Name kommt von der ursprünglichen Herstellung: Um den Tabak geschmeidig zu machen und das Aroma zu versiegeln, wurde früher echtes Butterschmalz (oft vom Mangalica-Schwein) untergemischt. Heute wird aus Haltbarkeitsgründen meist hochwertiges Weißöl verwendet.

Gibt es den „Perlesreuter" noch zu kaufen?

Ja! Die Traditionsmarke Pöschl stellt den „Perlesreuter Schmalzler" weiterhin her. Er gilt als Klassiker: kräftig, würzig und ohne Menthol – genau so, wie ihn die alten „Tabakreiber" aus dem Bayerwald liebten.

Das Schmalzlerfest durch die Jahre

Das Schmalzlerfest ist weit mehr als ein gewöhnliches Volksfest – es ist ein Stück lebendige Heimatgeschichte, organisiert vom Sportverein (SV) Perlesreut.

Die Anfänge

Das Schmalzlerfest hat sich über die Jahrzehnte von einem kleinen lokalen Treffen zu einem der bedeutendsten Volksfeste im Landkreis Freyung-Grafenau entwickelt.

Globales Phänomen

Ab 2024 stieg die Bekanntheit durch Social Media wie Instagram und TikTok massiv an. Videos des Wettbewerbs erreichten Millionen von Aufrufen weltweit und machten das Schmalzlerfest zu einem viralen Hit.

Heute

Das Fest zieht jährlich tausende Besucher an und verbindet bayerische Tradition mit ausgelassener Feierlaune – von der „Perlesreuter bleMUSI" bis zu zünftigen Live-Bands am Abend.

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Kulturelles Ereignis

Ein zentraler Treffpunkt für Einheimische und Gäste aus der ganzen Region.

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Lebendige Tradition

Bayerische Festkultur, Musik- und Brauchtumstraditionen werden gepflegt und weitergegeben.

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Lokale Identität

Das Fest stärkt den Zusammenhalt und die Identität der gesamten Gemeinde.

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Touristische Attraktion

Besucher aus Deutschland, Österreich und Tschechien erleben bayerische Gastfreundschaft.

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